Mannar

Frohgemut fuhr ich am 4.4. von meinem netten Resort los, fand durch das Gewirr von kleinen Strassen durch und erreichte nach 40 km Puttalam, an der Hauptstrasse.

Weiterhin kein Mensch „uff de Gass“ – und dann kam die Schranke, wo die Strasse nach Norden durch den Wilpattu Nationalpark verlief. Der freundliche Mann sagte, ich könne da nicht durch – warum? Straße wird repariert. Ich heulte ihm vor, dass ich unmöglich wieder 30 km zurück und über Anuradhapura nach Mannar könnte. Er hielt inne, zeigte auf einen Mopedfahrer und sagte, ok, ich solle mit ihm fahren. Aber Achtung – die Elefanten.

Yeah – dann sah ich, was Sache war: die Brücke gleich hinter dieser Station war ordentlich in Reparatur. Da so viele freundliche Männer herumstanden, bat ich einen, meinen beladenen Scooter über das Eisenstangengewirr zu schieben. Machte er auch, und mein Mopedritter stand auch schon da und wartete auf mich. Wir fuhren zusammen los, die Straße war eher noch Rollsplitt. Dann hielt er an, und sagte, ab jetzt müsste ich noch vorsichtiger fahren. Sand und Löcher würden folgen. Das ginge dann 40 km so. Ich fiel fast in Ohnmacht.

Man stelle sich sengende Hitze vor, Staub, das Geratter und Gerutsche dazu und eine Maximalgeschwindigkeit von durchschnittlich 20 kmh. Alle 10 km stoppten wir im raren Schatten, er rauchte eine Zigarette und plauderte mit mir. Da er in Saudi Arabien gearbeitet hat, sprach er relativ verständlich Englisch. Ich teilte selbstverständlich mein Wasser und die Bananen mit ihm und wir meisterten diese „dirt road“ in zwei langen Stunden.

Übrigens, von Elefanten keine Spur.

Er wäre mit dem Moped bestimmt schneller gewesen als ich mit den kleinen Scooterreifen – war echt rührend, wie er auf mich achtete. Dann sagte er, wir fahren jetzt zu ihm heim zum Lunch. Klar, da gabs keine Ausrede.

Und wir landeten in einem Kuhkaff hinter dem Nationalpark, wo seine Frau mir Reis hinstellte. Es gab 10 Stückchen gegrillte Auberginen und ich packte meine Avocado aus, während Razik noch Fischcurry (eher Gräten und Fischkopf) dazu aß. Ratz fatz wuchsen noch zwei andere Männer aus dem Busch, und wir teilten das Mahl auch noch mit denen. Ganz nette einfache Leute. Nach ner halben Std. machte Razik den Fernseher an und verabschiedete mich.


Froh wieder Asphalt unter den Rädern zu haben, sauste ich mit 80 kmh nach Mannar. Landschaft ähnlich wie in Kalpitya, viele Vögel, z.B. auch Störche und Flamingos – aber die sind immer so weit weg oder hauen ab, sobald man vom Moped steigt. Ist aber schon ein Erlebnis, diese Dämme zu fahren, sie heissen hier Causeway.

Ich fand in Mannar Stadt ein nettes Guesthouse, aber Bier nowhere available, auch in keinem Restaurant, deshalb schnell noch zum Wineshop, zwei Bier gekauft für den Kühlschrank und den AC in meinem Raum genossen. Da hab ich einen Riesenvorteil mit meinem Gefährt!

Aber ich war ganz schön platt. Hitze und Konzentration. Wenn ich gewusst hätte, dass die „dirt road“ 40 km sind, wäre ich nicht an der Küste entlang nach Mannar gefahren. Hätte ich natürlich vorher auf dem Plan sehen können, ich Depp.

Und im GH es gab sogar noch einen Touristen! Herrlich, einen Engländer, ich liebe deren Humor!

Aber da merkte ich wieder mal, wie simpel mein Englisch geworden ist durch dieses laufende Vereinfachen der Wörter in Südostasien. In Beziehung Vereinfachen, bis es bald nicht mehr geht, bin ich mittlerweile einsame Spitze, aber mit Muttersprachlern richtig reden wird immer schlechter.

Am nächsten Tag wollte ich morgens früh noch nach Talaimannar hoch, um zu sehen, wo früher die Schiffspassagiere aus Indien, Rameshwaram, ankamen. Der Verkehr wurde bis heute nicht aufgenommen, da der Pier noch nicht restauriert ist. Dieser Ort war mal ganz berühmt für seine Perlenfischerei – lang lang ist´s her. Bis Anfang der 80er war die Insel Mannar ein geschäftiger Transitpunkt für den Verkehr mit dem Subkontinent. Seit dem Bürgerkrieg ist alles vorbei. Tote Hose, nichts besonderes zu sehen.

Doch !!! So wie Indien überall die Kühe im Weg stehen, alles zuscheissen und Abfälle fressen, hat Mannar seine Esel. Ich wollte meinen Augen nicht trauen!

Bis ich endlich über die oft schlechte Strasse in Talaimannar war, wurden aus 25 km schnell mal 35 km (ein Weg) – und mein Tank wurde leer. Eine Tankstelle gabs tatsächlich auf den letzten Drücker, und ich entschloss ich mich, da es schon gegen Mittag ging, noch eine Nacht zu bleiben, den Engländer auf ein Bier einzuladen und mit ihm zu quatschen.

Adams Bridge zu sehen, gelang mir auch nicht, da man diese Inseln vom Land aus nicht sah und dafür ein Boot zu mieten, war mir dann doch zu viel. Kleine Inseln sehe ich in Indonesien massenhaft. Geologen vermuten, dass es vor 45 Mio Jahren eine Landverbindung zu Indien gab, aber es gibt auch eine hinduistische und eine christliche Geschichte zu Adams Brücke.

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