Delhi

Dieses mal dachten wir, unsere Zugfahrt wird entspannt, da der Zug in Udaipur auf Gleis 1 abfuhr. Relaxt bestiegen wir unser Abteil, richteten uns ein auf unseren zwei unteren Betten und dachten an nichts böses.

Plötzlich flutete ein Clan mit 19 Personen und vielen Kindern von 1 bis 15 Jahren in den Waggon, verharrte bei uns und diskutierte die Plätze. Leider gingen sie nicht weiter, sondern hatten unser Abteil, die Gangplätze und das Abteil nebenan. Vor lauter Geschrei verstanden wir unsere eigenen Worte nicht mehr. Man bot uns an, zu tauschen, in einem anderen Waggon Middle und Upper bed zu kriegen. Gisela sagte, sie sei zu faul, alles war auch für die Nacht ausgepackt. Und ich war auch nicht scharf drauf, wußte ja, dass ich dann das Upper nehmen mußte. Großer Fehler, wie ich nachher feststellte.

Nirgendwo war Lärm, nur bei uns lief ein einheimisches Fest. Zuerst belagerten sie uns auf unseren beiden unteren Bett, da es noch keine Schlafenszeit war, und die mittleren Betten noch nicht ausgeklappt werden sollten. Die Lautstärke war unglaublich. Ich war fertig, selbst die Ohrstöpsel halfen nicht wirklich.

Irgendwann willigte ich ein, das Middle Bett über Gisela zu nehmen und wir konnten uns übereinander ausstrecken, da die halbe Gesippschaft dann auf der anderen unteren Seite Platz nahm. Erster Versuch zu schlafen, aber die „Party“ ging weiter. In allen anderen Abteilen war Ruhe.

Um 21.30 Uhr konnte ich nicht mehr und schrie los. Alle guckten blöde. Das Wort „Rücksichtslos“ fiel mir auf Englisch nicht ein.

Nach einen weiteren halben Stunde kam dann ein Schreigewitter von mir, und der ganzen Clan baute sich vor meinem Bett auf. Aber es nützte – um 22.30 wurde es langsam ruhig.

Total unausgeschlafen erreichten wir Dehli. Dort lief alles prima, wir konnten auch bald in unser Zimmer, stellten aber fest, dass die Toilettenspülung kaputt war. Wasser gab es auch keins.

Wir gingen frühstücken und ich zeigte Gisela das Travellerviertel Paharganj mit der Hauptstrasse, dem Main Bazar, die Metrostation und ein Barviertel.

Tagsüber war es nun 38 Grad Celsius, aber man schwitzte kaum, da trocken.


Abends fuhren wir mit der Metro zum JLN Stadium, um ins Viertel Nizamuddin West zu gelangen. Nach längerer Lauferei fanden wir es und waren beide begeistert. Man kommt sich vor wie in einem arabischen Suq – Fleischgerüchte umwehen die Nase und überall wird gegrillt, gebraten, Rotis getätschelt und aus dem Tandoor gezogen.

Im Nizamuddin Dargah (Sufi Schrein) liefen wir zuerst durch enge Gänge, in denen Devotionalien und auch Stoffe verkauft werden, dann gelangt man in das Innere. Je nach Betrieb ist das nichts für Leute mit Klaustrophobie. Trotzdem sensationell, das Treiben zu betrachten und dem Beginn der Qawwali-Gesänge zuzuhören.

Zurückgekehrt, funktionierten Klo und Dusche – Gisela benutze beides auch noch ausgiebig – und ich machte mich noch auf, in mein Lieblingslokal zu gehen.

Der Blick von diesem Rooftop auf den kleinen Platz ist sensationell – wie immer. Essen ist gut und preiswert, nur muss man leider das Bier aus einem Porzellanseidel trinken. Hat ja auch seinen Reiz und die Waiter sind auch immer sehr speziell. Dieser Schnucki hatte mich besonders in sein Herz geschlossen, nachdem ich seine Fragen mit meinen Lebensweisheiten beantwortet habe.

Am nächsten Tag wollten wir uns das typisch unindische Viertel Hauz Khas anschauen. Nahmen auch wieder die Metro, stiegen bei Hauz Khas aus und standen an einer riesigen stark befahrenen Straße. Keiner konnte uns den Weg weisen bis uns ein Tuktukfahrer vom Herumirren in der Hitze erlöste.

Wir staunten nicht schlecht. Im Hauz Khas Village gab es fast nur Kneipen, ein paar hochpreisige Boutiquen und alte Steine. (Diese sind Teil einer mittelalterlichen Stadt namens Siri mit Wassertank, Mausoleum und Pavillons.) Hierher gehen vor allem abends die Party machenden wohlhabenden Inder hin. Tagsüber ist hier gar nichts los.
Wir gönnten uns was zu essen und hauten nach einiger Zeit wieder ab, fanden, das war keinen Ausflug wert.

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