Die ersten Tage in Nicaragua

Nach Kuba freute ich mich sehr auf das vielfältige Nicaragua.

Bei der Ankunft wechselte ich meine letzten Euro an einem offiziellen Wechselschalter im Airport und staunte, dass ich vom Kurs her 10 weniger bekam als ich dachte. (Vorher Überprüfen im Internet ging ja nicht.) Und der Kurs hätte sich ja verschlechtern können in den letzten Monaten. Ich Idiot – unnötig war das Wechseln ja auch noch, da ich die Abholung und die Unterkunft in Managua schon bezahlt hatte. An der Rezeption meiner Backpacker-Lodge erfuhr ich dann, dass man nie nie nie am Airport tauschen soll. Kurz und gut, die hatten mich um 100 € beschissen mit dem schlechten Kurs. Da war ich schon mal bedient.

Ich war in einem tollen Backpackerhostel gelandet (sogar mit Pool), hatte ein Einzelzimmer bestellt – und einen Schuhkarton ohne Fenster bekommen.

Und am nächsten Morgen erfuhr ich dann die ganzen Überfallstories. In der Nähe vor einem Supermarkt um 18 Uhr haben 4 Machetenkerle ein Pärchen bedroht. Man liess den Rucksack fallen – es war alles wertvolle drin, was man so dabei haben konnte. Seit 3 Wochen warten die zwei nun auf ihre Pässe und sitzen im Hostal rum, die Frau ist so fertig, dass sie auch tagsüber nicht mehr mit ihrem Freund einkaufen gehen kann. Inzwischen weiß ich, dass sie zwar keine Neulinge beim Reisen in Mittelamerika waren (haben sogar gezeltet) – aber kein Schloß dabei hatten, um ihre Wertsachen in den Locker zu schließen nach der Ankunft im Hostel. Also haben sie zum Einkauf alles mitgenommen. Schön blöd!Wer reist den ohne Schloss?

Nachdem ich hier in Nicaragua endlich wieder Internet und auch die Warnungen im Auswärtigen Amt gelesen hatte, die vor einem 3/4 Jahr noch ganz anders geklungen haben, war ich fertig. Abends nicht mehr Rumlaufen können? Kein Handy, keine Kamera, keine Kreditkarte mehr mitnehmen?

Ich wollte nur noch weg!!!!!! Und vom Backpackerhostel habe ich noch nicht mal Fotos, so blockiert war ich.

Aber am Abend vor der Abreise ging ich essen, weil ich das Hauen und Stechen in der Gemeinschaftsküche gar nicht abhaben kann. Die Küchensituation am Abend vorher war sehr gewöhnungsbedürftig. Ich habe noch das Bild vor Augen, dass drei Parteien gleichzeitig am Herd rühren wollten und Doris von hinten versuchte, ihren Topf auf der hinteren Flamme zu erreichen. Bizarr.

10-20 m neben dem Hostel gibt es gute günstige Restaurants – einen Chinesen und ein Ceviche-Ding, wo das Fisch-Cevice noch nicht mal 4 € kostete. Und da ist alles sicher, keine Machetenmänner.

Aber die meisten Dorm-Leute gehen nicht essen. Sie kochen selbst, da wird das Geld eingespart. Ist ja auch ok, denn so kommen sie doch günstig durch die Welt. Ich bin ja doch schon ein Luxustraveller.

In dieser verunsicherten Stimmung lernte ich Doris kennen, zwischen 65 und 70, sie redet nicht über Alter (!), aber sie reiste schon 3 Wochen in Nicaragua und sie beruhigte mich.

Es stellte sich für mich die Frage, wo anfangen mit dem Nicaraguatrip – und am besten in irgendeiner Kleinstadt oder so. Wir beschlossen, am WE zusammen nach Masaya zu fahren, nur ca. eine Stunde weit weg. Wir nahmen den Bus bis zur Laguna de Apoyo, umrundeten zu Fuß einen Markt und wurden auch mal hin- und her- geschickt, bis wir wieder den richtigen Bus zum Weiterfahren fanden, aber ansonsten war es wie in Asien: freundlichen Leute, Busfahren, Rucksack irgendwo in einer Busecke oder auf dem Dach – alles normal. Ich entspannte mich.

Und das gebuchte kleine Ressort mit vielen Tagesgästen war der Renner und liegt an dem glasklaren Kratersee, einem Süßwasserreservoir, Wassertemperatur 28 Grad. Abends, nachdem die Tagesgäste abfuhren, waren wir, die paar Dormitory-Backpacker und 2 Zimmerbucher unter uns, mit einer Traumküche mit KS und TK dabei. Hier hat mal ein Innenarchitekt mitgewirkt.

Ein kleiner Laden vor der Tür verkaufte alles, was man so brauchte und man kochte – es war so was von schön und entspannt. Noch dazu erfuhren wir die besten Stories und Reisetipps.

In dem schönen Campingbett verbrachten wir nur eine Nacht und zogen dann um in den Dormitory (=Dorm), denn die ungewohnten Geräusche ab 4 Uhr liessen uns nach dem Klogang nicht mehr einschlafen.

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