Essenseinladung im Dorf

Im Touristeneck lernte ich einen sehr netten Einheimischen kennen, 30 Jahre alt, mit einem offenen Gesicht und kein typischer Touri-Anmacher. Er führt einen kleinen Laden mit den üblichen Steinmetzarbeiten. Da keine Saison ist und wenig zu tun, unterhielten wir uns lange. Er wollte mich in sein 3 km entferntes Dorf einladen. Einmal muss ich mich ja mal wieder einlassen, also sagte ich zu. Was ich essen wollte. Prawns (Shrimps) natürlich und steckte ihm 100 Rs in seine Hosentasche, die er natürlich partout nicht annehmen wollte. Wir verabredeten uns für 2 Tage später abends. Er wollte mich mit dem Moped mitnehmen, aber ich sagte, ich fahre aus Prinzip nicht abends Moped, so arrangierten wir eine Motorrikscha für mich.

Gasse Nähe Strand mit Gudi vor seinem Laden

Gasse Nähe Strand mit Gudi vor seinem Laden

Ich packte meinen alten Salwar Kamez (nordindisches modernes Frauendress: Hose und lange Bluse) und ein altes T-Shirt zum Verschenken ein und fuhr los. Es begann zu regnen!

Er kam am seinem Haus an und sagte, es habe keine Shrimps gegeben, ob ich auch Hühnchen esse. Ok – was ein Fehler war und ich ja weiß, wie sie die Hühnchenteile verkrotzen. Dann begrüßte ich die ganze Familie, keiner sprach Englisch und alle glotzten auf den Fernsehen. Dann klingt das natürlich seltsam, wenn er sagt, seine Familie freue sich derart, mich als Gast bei sich zu haben. Wir redeten also zu zweit über sein Geschäft, mit dem er keinerlei Umsatz macht. Ich sagte, kein Wunder, ihr verkauft ja alle dasselbe. Niemand stellt was draussen aus, was anders ist und kein Touri läßt sich in den dunklen Laden locken, weil man 100 x angesprochen wird.

Seine finanziellen Sorgen möchte ich nicht haben. Er hat die ganze Familie an der Backe, fünf Frauen und seinen Bruder, der auch keine Arbeit hat. Das kleine Haus kostet 2700 Rs. Miete + 600 Rs Strom im Monat. Na klasse. Er weiß nicht, wie das weiter gehen soll.

Dann kochte seine Frau das Hühnchen, es war lecker mit Gravy, aber total zerhackt. Ich friemelte mit meinem Messer das Fleisch von Knorpel und Knochen, damit sie das sahen und später noch was davon essen konnten. Wir beide aßen nur zu zweit, die Familie schlief schon fast vor dem Fernseher ein, wenn sie nicht vom Stromausfall geweckt wurden.

Dann kam Gudi noch mit einem Vorschlag, wie er Geld verdienen könnte in Zukunft. Prawns kosten viel Geld, jeder will sie, es gibt schon eine Farm hier. Er habe da auch mal gearbeitet, aber zu wenig verdient. Wisse aber, wie man das macht. Mit einem Startguthaben von 300.000 Rs. könne er mit einem Freund das Geschäft aufbauen, das würde einiges abwerfen und das Geld wäre nach 4 Monaten schon wieder drin. Prima. Nur kenne ich keinen, der 3-400 € Spielgeld übrig hat. Und so muß man das sehen. Wenn jemand dafür investiert, muss er damit rechnen, sein Geld nicht mehr wieder zu sehen. Ich sagte ihm, dass ich niemand dafür wüßte. Er müsse sich Leute suchen, die eine Investition machen wollen. Aber die findet so einer wie Gudi natürlich nicht. Es gibt zwar auch Leute im Ort, die Hotels besitzen, aber die wollen natürlich so jemand wie Gudi noch nicht mal anhören, und das weiß er auch.

Er tat mir leid, aber was soll ich tun? Ich hatte ihm schon erzählt, dass ich in Deutscland nicht als reich gelteund keine Kontakte habe, die solche Investitionen machen. Aber er hat sich natürlich Hoffnung gemacht. Nach dem Essen fuhr ich betrübt heim. Es ist so frustrierend! Ich möchte nicht in seiner Haut stecken.

Heute ging ich nach meinem Mittagessen bei ihm vorbei, hatte ihm extra noch einen vegetable fried rice mitgebracht, den ich ihm überreichte. Kein Danke, keine Freude. Fand ich nicht so toll.

Dann sagte er, dass heute morgen die Oma seiner Frau gestorben ist und er überlegt, ob er mit hinfährt. Aber dann bräuchte er mindestens 1000 Rs für Blumen. Da sagte ich trocken, wenn man kein Geld hat, kann man auch keine Blumen kaufen, aber hinfahren könnte man ja trotzdem. Aber das ist wohl kein indisches Denken.

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