Bars in Indien

Kennt ihr indische Kaschemmen, Bars genannt? Vergeßt alles, was ihr sonst so über Kneipen wißt. Es sind unterkühlte Kellerlöcher oder schäbige Räume, denen man manchmal die oberste Reihe Mauerwerk weggehauen hat, dann nennt sich das Rooftopbar. Und drinnen sitzen nur Männer – außer mir natürlich. Ich hatte ja schon je her ein Faible für Spelunken und wollte immer schon in alle Ecken von Gassen gucken.

die Staff wollte auch mit aufs Bild

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Aber ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Meist spricht einer gut Englisch, das Bier ist kalt, günstig und es gibt Snacks.
Ich geh also in die Bar, setze mich und bestelle Kingfisher Lager, was es zumindest in Tamil Nadu seltener gibt als im übrigen Land. Erzähle, dass ich aus Germany komme, wo Männer und Frauen gerne Bier trinken. Dann richte ich mir auf dem Tisch mein Office ein, d.h. ich packe mein Tagebuch oder mein Notebook aus, versenke die Flasche meiner Kühlmanschette, geniesse den ersten Schluck und fange an zu schreiben.

Die Bars sehen oft sehr primitiv aus – aber man darf nicht vergessen, dass sich gerade gebildete Inder gerne mal ausserhalb des häuslichen Matriachats mit ihren Freunden treffen und einen heben – meist Whisky. Sie trinken den in einem Tempo (ähnlich dem wie sie essen), was nichts mit Genuss zu tun hat. Deswegen gucken sie auch immer so, wenn ich beim ersten Glas “Hmm” sage und mein Bierchen nicht abschütte.

Bleiben mal welche länger als eine halbe Stunde, fangen sie oft an mit mir zu sprechen und stellen interessiert Fragen. Und was habe ich da schon tolle, intelligente, ehrliche Gespräch geführt! Und in dieser Bar-Männerwelt wird auch nicht gegrapscht. OK, ich bin auch ordentlich angzogen und sitze an einem Seitentisch, mache mein Ding und glotze sie nicht die ganze Zeit an. Für sie schmeisse ich das Bild der ausländischen Frau aber doch etwas über den Haufen.

Denn manchmal kann ich meine Art doch nicht so ganz zurückhalten. Ich strahle und freue mich lautstark, wenn der Kellner mir im Liquorshop nebenan ein Lagerbier besorgt,weil ich das “Strong” Bier nur in Notfällen trinke, da zu süß und zu stark. Z.B. habe ich ein angeschlepptes Lagerbier noch nie gesehen. Als ich lesen wollte, was ich da so trinke stand drauf:

“Vorin light – Liquor ruins country, family and life. Brewed 3.2.2009 – best before 6 month before botteling” – egal, macht nix, war aber schön kalt.

Und in den Bars offenbart sich eine andere indische Seele, die zu bestaunen ist und die die meisten Touristen nicht kennen. Außer mir habe ich noch keine alleinstehende Frau gesehen. Meist trinken die Touris ihr Bier im Restaurant, was entgeht ihnen da!

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