Delhi

Main Bazaar (Road)

Erste Überraschung nach Ankunft in Dehli nach unserer Hitzeflucht aus Jodhpur: Dehli war kühl !!! Es hatte wohl geregnet und die Temperatur war Deutsch-Sommer: ca. 30 Grad. Helga war ganz glücklich. Wir hatten einen lustigen Abholer vom Namaskarhotel, der die ganze Strecke mit mir “wie geht´s” auf Hindi übte und nicht müde wurde, dann die Antwort “tike” (gut) zu geben. Wir lachten uns fast tot – denn ich spielte mit und so ging das ganze 20 km lang, also eine halbe Stunde. Als ich das Erlernte dann noch anwendete und bei jedem Stop nach links aus dem Fenster brüllte, aber nur einmal die Antwort “tike” bekam, fing ich an, mich zu wundern. Aber unser Taxifahrer hatte Spaß und so war´s gut.

In der Nähe des Bahnhofs liegt der Main Bazar, die Travellerzeile (wie in BKK rund um die Kao San Road) mit seinen vielen Budgetunterkünften. Unser Hotel liegt mittendrin Nähe des kleinen Platzes mit den Rooftoprestaurants, schon lang von uns erprobt, ist ruhig, sauber und mit Bad, zuverlässig, schickt Abholer, die Reservierungen klappen und noch dazu kostet das DZ 650 Rs = 8 €! Der einzige Nachteil ist, dass die Zugangsgasse von der Main Bazar Road, am Anfang ein Pissoir hat, so dass man sich 3 m lang die Nase zuhalten muss. Aber die Inder scheint das wenig zu stören, denn gegenüber des Pissoirs werden Omelettes gebacken und daneben Chicken Tikka gegrillt.

Die Kämpfchen mit den Motorikschafahrern sind natürlich in der Travellergegend immer anstrengend, aber ähneln denen von BKK enorm. In BKK wie hier kommt plötzlich statt eines überteuerten Preises ein “Inderpreis” und man wundert sich schon. Dann fragen sie einem aus, erfahren, wo man noch so hinreisen will und wollen einem dann zum offiziellen Touristenbüro bringen, wo man noch ein paar Prospekte bekommt – man fährt ja eh da vorbei … Schnell stellt sich dann heraus, das das Touristenbüro eine Reiseagentur ist und man verlässt zügig und sauer das Etablissement. Ist uns auch passiert, als Helga zu ihrem Optiker zum Connaughtplace wollte. Und sie wollte gerne beim offiziellen staatlichen Touristbüro ein paar Tipps über die Ecke um Chandigarh und Kaschmir haben. Man glaubt gar nicht, wie viele offizielle Touristbüros es gibt !!! Straßen voll, eine neben der anderen ! Aber nur ein staatliches! Also besser den hohen Touripreis runterhandeln und gleich zum Ziel gebracht werden, als sich bei irgendwelchen Stopps rumärgern.

Wir benutzen das erste mal die Metro, alles sehr ordentlich und sauber, leider haben die Inder einen Securitytick. Man wird an Sperren abgetastet und die Taschen werden gescannt. Glücklicherweise sind wir Frauen, und da fahren nicht so viele U-Bahn, also keine Schlange wie bei den Männern. Und das allerbeste: der erste Wagen ist das Ladies Compartment, meist nicht voll.

Ladies Compartment Metro

In Dehli wird übrigens bei den Geschäften, nicht wie in Indonesien, nicht alles in Plastiktüten verpackt. Geklebte Papiertüten aus Zeitung und sogar einfache Baumwollverpackungen. Ich war positiv erstaunt.

Die interessantesten kleinen Restaurants fand ich um den Bahnhof herum. Echt sehenswert.

Unsere Sightseeing-Geschichten waren speziell, da wir uns auch verrückte Dinge ausgesucht hatten: the Garden of the Seven Senses. Es war ein Park, wo indische Liebespaare endlich mal miteinander knutschen konnten. Jede Bank, jeder schattige Winkel war besetzt. Das Foto, was uns da hingelockt hatte, war ein Kunstobjekt, das stark verkleinert war, der Rest war leicht vertrocknete Landschaft. Für den ganzen Aufwand no value ! Der Eintrittspreis war ok für uns (20 Rs, da ist mir egal, wie wenig die Inder zahlen.)

Mittlerweile war es wieder wärmer geworden und die Sonne brannte auf uns hinab. (Da Helga weder Kopfbedeckung noch Schal dabei hatte, war es klasse, dass sie vorher eine Hose als Mitbringsel gekauft, die konnte sie sich dann überziehen).

Das nächste Ziel war ein Weltkulturerbe namens Qutb-Minar. Diese religiösen Bauten entstanden zu Beginn der islamischen Herrschaft in Indien. Hier war wieder dieselbe Scheiße wie beim Taj Mahal. Wir zahlten 250, die Inder 10 Rs.

Wir fuhren am Lotostempel vorbei, der Ähnlichkeit mit der Oper in Sidney hatte und auch nur von Weitem sehr beeindruckend war.

Lotustempel

Viel später landeten wir – nach langen Moto-Rikshafahrten – in dem moslemischen Sufi-Viertel. War nicht einfach, bis wir das fanden, was wir sehen wollten. Aber das war es wert. Ein einzigartiges Erlebnis, wieder ein anderes Indien. Wir gaben unsere Schuhe ab und verschwanden im Tempel des Heiligtums Hazrat Nizam-ud-din Dargarh. Sehr ergreifend, die Männer beten zu sehen. Die Qawwligesänge voller Inbrunst, aber die Leute drumherum holten ihr kostenloses Tempelessen, redeten miteinander – halt das normale wöchentliche Treffen fand dort statt.

Abends aßen wir meist auf einem Rooftoprestaurant, wo die Biere auch nicht wirklich kalt waren. Man bekommt sie in Riesenporzellanbechern kredenzt, da Prohibition hier. Dafür hat man überall, wo man sitzt, bei 35 Grad Wärme nach 10 Minuten einen nassen Arsch, da die weltweit üblichen Plastikstühle nie ein Kissen haben. Aber man steht auf, die trockene Hitze trocknet einem im Handumdrehen die Hose.

eins der Rooftoprestaurants am Platz

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