Was macht ein Traveller den lieben langen Tag so?

Diese Frage wird mir auch immer wieder gestellt. Andreas Altmann hat sie in einem Büchlein über Indien auch einmal schön beantwortet, aber ich will es auch mal versuchen.

Zuerst einmal: hier dauert alles länger, viel viel länger als bei uns. (Gilt generell für Asien, Ausnahme: Thailand)

Die meiste Zeit frißt die Orientierung und die Transport-Information, da ist man meist schon den ganzen Tag beschäftigt.

Um sich zu orientieren gibt es ja Reiseführer mit Stadtplänen, die schon recht hilfreich, aber letztendlich auch nicht das Gelbe vom Ei sind, da oft veraltet. Ich ziehe am liebsten zu Fuß los, um eine Orientierung zu bekommen, was sich aber oft als sehr schweißtreibend bei mindestens 30 Grad erweist und in stundenlangem Herumlaufen endet (was Frank haßt!).

Um von A nach B zu kommen, und sei es nur vom Hotel zum Internetcafe, sind diverse Hürden zu nehmen. Die Sprachbarriere ist die größte. Und es geht nicht nur um Englisch, selbst das Hoch-Indonesich ist den z.B. den Rikschafahrern fremd, da diese lieben einfachen Leute nur Dialekt sprechen.

Das einfachste wäre ein Taxi. Aber auch die Fahrer verstehen nur Airport und große Hotelnamen und sind für mein Budget zu teuer. Und da ich ja eh den ganzen Tag Zeit habe, kann ich ja auch Bemos, Ojeks oder Becaks (Rikschas) nehmen. Es hat keinerlei Sinn, einem Fahrer den Stadtplan unter die Nase zu halten und zu zeigen, in welche Strasse man will. Sie drehen ihn auf den Kopf, können ihn also nicht lesen, und verstehen deine Aussprache der Strasse nicht. Am besten kennt man etwas Wichtiges in der Nähe, wie z.B. die Mall Matahari oder ein großes Hotel.

Ich nehme am liebsten die Motorradtaxis (Ojeks) und Bekacs, die kann ich dirigieren, mit links, rechts, geradeaus, vor und zurück und nochmal um den Block rum. Sie sind halt flexibel. Aber Voraussetzung dazu ist natürlich, dass ich das alles schon mal zu Fuß kennengelernt habe und Indonesichkenntnisse. Nachteil: oft ergeben sich danach wieder Geld-Diskussionen.

Um an aktuelle Transportinformationen wie Fähren heranzukommen, bedarf es auch größerer Anstrengungen. In der Hotelrezeption zu fragen erweist sich bei größeren Hotels selten als sinnvoll, da dort zwar Englisch gesprochen wird, aber die Leute keinen blassen Schimmer haben. Das ist ein für uns sehr erstaunliches Phänomen, dass man bei so einem Job nicht weiß, wo und wann die wichtigsten Fähren abgehen oder zumindest eine Telefonnummer hat. Aber Servicebewußtsein gibt es da nicht, wird ja auch nicht geschult. Und die normalen Indonesier interessieren sich nur für ihr Klein-Klein. Sie wissen, welche Bluse die Nachbarin heute trägt, was sie zu Mittag kocht und ob sie Besuch vom Neffen aus Jakarta bekommt. Aber sie kennen weder den Namen von dem Hotel um die Ecke, wo sie täglich vorbeilaufen, noch wissen sie welche Fähren überhaupt fahren. Sie wissen auch nicht, welches Bemo zum Flughafen fährt, wenn sie es noch nie benutzt haben. Aber eigentlich logisch. Es interessiert sie nicht, da sie es nicht brauchen. Nur wenn sie oft den Onkel auf der Nachbarinsel besuchen, wissen sie, wann und wo die Fähre abgeht.

Touristenbüros sind oft außerhalb der Stadt, also schwer hinzukommen, denn welches Bemo fährt da nun schon wieder hin?, und außerdem haben die dort eh keinerlei Ahnung von solchen Dingen und drücken einem höchstens veraltete Prospekte in die Hand, gesponsert und mit Werbung von großen Hotels, die man sich eh nicht leisten kann.

Auch Travelagenturen, die meist Flugtickets verkaufen, wissen gar nichts über Fähren.

Also fragt man hier und da, erhält viele unterschiedliche Antworten, denn da die Indonesier ihr Gesicht nicht verlieren wollen, erzählen sie dir irgendwas anstatt zu sagen “ich weiß es nicht”. Selbst in dem Hauptoffice der Pelni-Fähre habe ich 3 x (17., 20.12.11 und 2.1.12) drei unterschiedliche Auskünfte über Abfahrtage (nicht Zeiten, die können sich auch noch bis zu 8 Stunden nach hinten schieben) der Fähre von Ambon nach Banda erhalten. Tja, so isses! Aber ich geb ja so schnell nicht auf.

Tja, und wenn man dann mal wieder 2 – 3 Tage lang gereist ist (Flugzeugtag, Ankunft in der Stadt, Unterkunfts- und Futtersuche, Orientierung mit Auskünften, Weiterreise, Fähren) und endlich an seinem nächsten kleinen Ruheziel angekommen ist, dann braucht man erstmal ein Meer, in das man springen und einen Platz, wo man seine Hängematte aufhängen kann. Und wenns einem dann dort langweilig ist, beginnt das ganze Spiel wieder von neuem.

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