26.1. – 28.1.2026
Ich wollte unbedingt die marmorenen Jaintempel von Palitana besichtigen..
Ab Diu brauchte ich 4,5 Std. bis Talaja, wo ich Anschluss nach Palitana bekam. Als ich in dem quirliger Pilgerort ankam, hatte ich erst mal einen Kulturschock, denn ich hatte es mir hier ruhiger vorgestellt. Ich hatte Glück und erwischte die einzig Englisch sprechende Person am Busbahnhof und kaufte bei dieser gleich ein Ticket für Ahmedabad.
Total ausgehungert wollte ich irgendwo was essen. Einen Namen hatte ich im Reiseführer gelesen, das Jagruti Restaurant mußte irgendwo gegenüber des Busbahnhofes sein. Ein Abzocker Tuktuk Fahrer mit 5 Worten Englisch wies mir den Weg, wenn ich nachher mit ihm zu meiner Unterkunft fahren würde. Hm.
Auch in dem großen Laden sprach niemand Englisch, aber es gab Thalis – genau, das was ich jetzt brauchte. Man starrte mich an, wie vom Himmel gefallen und alle Kellner wollten mich bedienen. Ich guckte mir ein Thali am Nebentisch an und ein Mann mit Familie, der Englisch sprach, schaltete sich ein und brachte etwas Ruhe in das Bestell-Chaos.
Das Essen war lecker, ich konnte Fragen stellen und wurde wie eine Königin bedient. Perfekt.
Danach erkundigte ich mich bei den Kellnern nach meinem Fahrpreis und sagte dem wartenden Tuktukfahrer, ich gäbe nur 100, Einheimische würden für die Strecke nur 20 Rs zahlen.
Angekommen in meinem Bhawan, so nennt man hier anscheinend alle Pilgerunterkünfte, gab’s natürlich doch Zirkus mit dem Fahrer, der plötzlich 150 haben wollte. Ich stieg aus, gab ihm 100 und wollte gerade in der Rezeption verschwinden, als er die nächste Forderung stellte, dann bei der Abholer Fahrt übermorgen halt die 150 – also echt, geht’ s noch???
Entgegen der Aussage, dass der Rezeptionist hier Englisch sprechen und mir auch bei dem Bus nach Ahmedabad helfen würde, sprach dieser kein Wort Englisch. Wie gut, dass ich mein Weiterreise Ticket schon in der Tasche hatte. Ja, die Erfahrungen, man sollte nie alles glauben, wenn es heißt, alles sei dort ganz easy.
Auf zu meinem Zimmer. Dann der nächste Schock: vor der Nachbartür standen ca. 12 Paar Schuhe unterschiedlichster Größe. Oh nein, ausgerechnet neben meinen Raum eine Großfamilie, d.h. laut! Schreiende Kinder und Mütter, stimmgewaltige männliche Familienoberhäupter.







Orientierte mich noch etwas auf der Straße, um morgen früh den Weg zum Tempel Aufstieg zu finden in diesem Drecksnest voller Baustellen, Lärm und Zweitaktern. Maske und Ohrstöpsel waren wieder nötig, als sich die Pilger nach ihrer Rückkehr vom Berg mit Fahrzeugen aller Art einsammeln ließen.
Zurück im großen, ungemütlichen kalten Zimmer, war dann auf der anderen Seite meines Raumes noch eine Familie mit Kindern hinzu gekommen. Wo,it hatte ich das verdient?
Die Matratze war hart wie ein Stein, da kam mir dann zugute, dass die Zimmer schlafmäßig für eine halbe Armee ausgelegt sind.
D. h. mit einigen der Polster, Matten, Liegenbezügen und Decken, konnte ich mein Bett wunderbar aufpolstern, so dass ich halbwegs weich schlafen konnte.















Am 27.2. um 5.30 Uhr aufgestanden, um 6 Uhr auf der Gass, wo mich eines sphärische Musik in der Dämmerung begrüßte. Nach 10 Minuten laufen in der Dämmerung entdeckte ich zwei ältere Damen und konnte mit ihnen den wunderbaren heißen Tee am Straßenrand schlürfen. Das fing dann schon mal gut an. Dann musste ich beim Starttempel eine Tascheninspektion über mich ergehen lassen, aber da ich das wusste, hatte ich meine kleine Wasserflasche tief unten vergraben und ich als einzige Weiße unter den Pilgern wurde auch nicht so genau gecheckt.
Im Dunkeln um 6.30 Uhr begann der Aufstieg. Anfangs gab es etwas Stau, weil die Sänften ihre Kunden finden mussten, natürlich stiegen die an den engsten Stellen zu, aber danach spielte sich das ganze ganz gut ein. Links liefen die Pilger wie ich die Stufen hoch, rechts kamen die 2er und 4er Dolis – je nach Gewicht, wer hochgetragen werden musste. Witzig fand ich es, wenn die langsameren 4er Dolis von den 2er Dolis überholt wurden – wie bei unseren LKW auf der Autobahn. Sofort stockte alles und wir Pilger wurden ausgebremst.
Um 7.30 Uhr wurde es langsam hell, 8.15 Uhr kam die Sonne durch, man konnte noch linker Hand den großen verschleierten Stausee erkennen. Um 8.30 Uhr hatten wir schon 2300 Stufen und 1900 m geschafft, um 9.10 Uhr war der Gipfel mit dem Adinath Tempel schon in Nahsicht.
Nach 3 Std. Aufstieg war ich oben. (Fotografierverbot eigentlich überall).
In dem berühmten Adinath Tempel wurde es langsam voll und die Menschen saßen in abgeteilten Warteschlagen, um ins Heiligste mit Segen vorzudringen.
Währenddessen kletterte ich in eine unbewachte Ecke hoch und hielt den fantastischen Rundblick fest.
Es gab noch den zweiten Bergkamm, zu dessen Tempel Adishvara ich nur ohne Schuhe rüber laufen durfte, aber mit der Versicherung, dass man sie zum Ausgang des anderen Abgangs bringen würde. Das konnte ich fast nicht glauben, aber als ich am anderen Ausgang ankam, standen sie dort bei zwei Mädchen (Tipp 20 Rs) und wanderte bergab bis sich der Weg wieder mit den Haupttreppen Abgang vereinigte. 10.50 Uhr begann ich den Abstieg tänzelnd hüpfend und damit Knie schonend und kam eine Stunde später unten an.
Kurz vor 12 Uhr stand ich vor einem großen Bahnhofshallen Restaurant, dass ich gestern schon gesehen hatte. Und in das ich mich selbst einlud, denn ich verstand ja niemanden, und keiner hielt mich davon ab, den Raum zu betreten. Also setze ich mich und wartete, bis man mir einen leeren Teller vor die Nase stellte. Kurz darauf stand ich auf, ging an die Anrichte, wo die Gemüsebehälter aufgebaut wurden und zeigte auf die Sachen, die ich wollte.
Dann brachte man mir diverse Schälchen, ich probierte, die besten leerte ich gleich und bat um Nachschub. Ist ja beim Thali so üblich. Es war so lustig. Ich hatte keine Ahnung was hier los war, bis ich erfuhr, dass hier nur die Pilger essen sollten, die auch in diesem Bhawan wohnten.
Das erfuhr ich vom Englisch sprechenden Chef, der mit seiner Familie zum Essen kam, sich über die Europäerin wunderte und mich nun offiziell zum Essen einlud. Dann begann die große Verwöhnphase. Ich konnte mich fast nicht der Leckereien erwehren, die sie in mich hineinstopfen wollten. Und morgen wollten sie mich gerne auch mit im Auto nach Ahmedabad mitnehmen. Was eine herzliche Gastfreundschaft! Ich war sehr gerührt.


















Zurück in meinem persönlichen Schlafsaal, trank ich ers mal einen Liter Wasser und hielt ein Nap.
Später gepackt, auf der Gass einen Imbiss mit Masala Dosa gefunden und danach mit einem kalten Coke meinen Rest Rum aus Diu genossen.
Als mich der hauseigene Tuktukfahrer um 8.30 am nächsten Morgen versetzte, machte ich es also wieder wie immer. Ging auf die Strasse und irgendwann hielt einer an, machte die Tour zum Busbahnhof ohne Meckerei für 100 Rs. und zack stand ich vor meinem Bus nach Ahmedabad.







